Perlen kullern

Perlen kullern

L I EB E S P E R LEN K U L L ER N . . . D U R CH D I E R E P U B L I K

Bilder kullern wie Perlen durch die Republik.
Wie soll das geschehen?
Aus einer Tüte purzeln bunte Liebesperlen über die Landkarte. Wo sie stehen bleiben, in kleinen Gruppen oder vereinzelt, zwischen Osten und Westen, Norden und Süden wird es je eine Ausstellung der Liebesperlenbilder geben...
Nicht wirklich! Aber wichtig ist ein Gefälle von oben nach unten. (Obwohl in Osnabrück sind die Perlenbilder von der Stadtmitte den Gertrudenberg hinaufgerollt.)
Im „Kullern“ der Perlenbilder klingt an: Bewegung als „Würckungskrafft“. Das ist das Wort im ältesten „Faust“. Es bezeichnet, „was sich in der Mitte der Welt bewegt: alle Würckungskrafft und Saamen“, mit ck und zwei f und zwei a.
„Was bewegt ist, ist würckend; was würckend ist, liebt.“
„Liebe ist identisch mit Würckungskrafft, und wo Würckungskrafft erlebt wird, wird „Liebe“ erlebt; die Liebe, die nichts anderes ist als die Selbstbewegung Gottes in der Welt...“

PERLENKETTE
In jedem Ort sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, einen grünen glasklaren Schlauch zu füllen. Der frisch-grüne Schlauch hat einen Durchmesser so groß wie eine Liebesperle.
Das Proprium jedes Ortes bestimmt, womit der Schlauch gefüllt wird - wie etwas, das gefunden werden will.
z.B.: Asche...Apfelkerne...Brotkrumen...Federn...Geld...Rosendornen...Nägel...
Schraubenmuttern...Milch...roter Wein...Liebesperlen...Liebesgeschichten (auf Papier geschrieben und klein zusammengerollt), Honigtau, Urin, Sandkörner, ..., Salz, Rauch, ...Haar, Scherben, Blütenstaub, Rapssamen, Eierschalen, Magnete...Nonpareille...Erde...Tinte, Weizenkörner, Staub, Blumensamen, ...Schneewasser...

Eine Perle entsteht, wenn ein Fremdkörper, beispielsweise ein Sandkorn, zwischen Mantel und Schale einer Muschel gelangt; die Muschel scheidet Perlmutt aus, das den Eindringling lagenweise umschließt, mit hauchdünnen Schichten aus Kalk und Conchiolin – mineralischer und organischer Substanz, die durch Lichtbrechung den besonderen, irisierenden Glanz hervorbringen. Das Eindringen des Sandkorns ist das Kernereignis.
Hindurchdringen durch alle Schichten zum Kernereignis des jeweiligen Ortes. Das ist mein Anliegen: den Kern der Geschichte dort zu enthüllen, ein Kristall, durchsichtig und klar. Hindurchscheint eine, besser: die Liebesgeschichte, drumrum sich alles Grün dreht, Schicht um Schicht.

Am Ende jeder Ausstellung wird dieser grüne „Faden“ aufgewickelt zu einer großen Kugel. Grün ist materialisiertes Licht. Jeder Ort hat seine grüne Lichtkugel, jede Perle einen anderen Inhalt, wie Liebe viele Gesichter hat und immer einen Namen z.B.: Görlitz, Osnabrück, Magdeburg, Sanspareil...
Die ersten Perlen für diesen Perlenkranz sind schon da: die Görlitzer Kugel, gefüllt mit Liebesperlen, goldener Beilauffaden; Osnabrücker Kugel, gefüllt mit Liebesperlen und Ohrenkneifern, die keine Mühe gescheut haben hineinzugelangen - jeder andere Weg wäre einfacher gewesen, das grüne Licht hat sie angezogen, unwiderstehlich, roter Beilauffaden; Magdeburger Kugel, gefüllt mit Honigtau, ohne Beilauffaden).
Weitere Perlen werden sich über die Zeit einreihen in den Perlenkranz. In welchem Ort werden die Liebesperlenbilder als Nächstes zu sehen sein? Was wird ihren Lauf und ihr Tempo beschleunigen oder vielleicht sogar behindern? Wie werden sie das Kullern überstehen? Eins steht fest: Fotografien sind ewige Sekunden, in ihrem Lauf und in ihrem Tempo sind sie frei. Eine Perlenkette aus grünen Lichtkugeln, denn „Liebe ist eine Aneinanderreihung von Perlen, eine Kette von Liebe, wie Natur eine Kette von Leben...“ (Truman Capote).

Auf der Landkarte wird der Lauf der Bilder mit Faden verbunden. Ein Netz wie ein Piktogramm.